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Unsere Projekte

 
  • Ernsgaden

    Die Gemeinde Ernsgaden bearbeitet Energie als Teil der Ortsentwicklung. Als eine von 100 ausgewählten Kommunen in Bayern wird sie vom Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten unterstützt.

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  • Self City

    internationales Forschungsprojekt zu regionaler Transformation, nachhaltiger Entwicklung und Selbstorganisation

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Am 2 Juli besuchten rund 25 interessierte Landwirte, Gärtner/-innen, Hofladenbesitzer/-innen, Bürgermeister sowie aufgeschlossene und kritische Konsument/-innen aus der Aove (Arbeitsgemeinschaft Obere Vils – Ehenbach) die Hofgemeinschaft Vorderhaslach / Gemeinde Happurg im Nürnberger Land um solidarische Landwirtschaft in der Praxis kennenzulernen. Katrin Vogt und Dr. Sabine Hafner organisierten und begleiteten die Exkursion.
Die Aove GmbH nimmt derzeit am Projekt „Resilienz in ländlichen Regionen Bayerns“ teil – ein Vorhaben im Auftrag der Bayerischen Verwaltung für den ländlichen Raum, das von KlimaKom eG umgesetzt wird. 

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Hintergrund:

Um die AOVE zu einer resilienten, also krisenfesten, widerstands- und zugleich anpassungsfähigen Region zu entwickeln,  bedarf es einer Umgestaltung des Energiesystems, des Aufbaus einer robusten Alltagsversorgung, einer flächensparenden und nachhaltigen Siedlungsentwicklung, einer ressourcenschonenden und sozial orientierten Wirtschaftsentwicklung sowie einer Veränderungen in der Landwirtschaft. Eine resiliente Region strebt Ernährungssouveränität an.

Darunter versteht man das Recht aller Menschen, über die Art und Weise wie Essen produziert, verteilt und konsumiert wird, demokratisch zu entscheiden. „Gutes Essen für alle“ – das ist das Ziel. Das Bestreben um Ernährungssouveränität ist gleichzeitig ein Kampf für eine Umgestaltung des von Konzerninteressen dominierten und auf Profite ausgerichteten globalen Agar- und Ernährungssystems. 

Eine Solidarische Landwirtschaft (Solawi) ist ein Schlüssel für eine regionale Ernährungssouveränität. Bei einer Solidarischen Landwirtschaft werden die Lebensmittel nicht mehr über den Markt vertrieben, sondern fließen in einen eigenen, durchschaubaren Wirtschaftskreislauf, der von den Teilnehmer/innen – den sogenannten Erneteiler/-innen – mit organisiert und finanziert wird. Solidarische Landwirtschaft fördert und erhält eine bäuerliche und vielfältige Landwirtschaft, stellt regionale Lebensmittel zur Verfügung und ermöglicht Menschen einen neuen Erfahrungs- und Bildungsraum.

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Die Hofgemeinschaft Vorderhaslach ist eine Gemeinschaft von vier Familien auf einem ehemals fast verfallenen und wieder erneuerten Hof in einem entlegenen Weiler auf der Jurahochfläche der Hersbrucker Alb bei Happurg. Die Hofgemeinschaft bewirtschaftet ihre 100 Hektar Fläche seit vielen Jahren biologisch-dynamisch nach den Richtlinien des „Demeter“- Verbandes. Auch wird eine Mutterkuh- und Schafherde gehalten. Auf ca. zwei Hektar wird Gemüse für 80 Ernteteiler/-innen angebaut. Die Idee der Erntegemeinschaft entstand Mitte 2013. „Es ist ein Traum, hier zu wirtschaften“, erzählt der Betriebsleiter Uwe Neukamm. Auf der Exkursion hatte die Gruppe Gelegenheit, die Gemüseäcker, die Gewächshäuser und die offenen Stallungen für die Tiere zu besichtigen. Gemeinsam mit Raphael Rivera setzte Uwe Neukamm seine Vorstellungen von einem anderen Wirtschaften und Produzieren von Lebensmitteln in enger Kooperation mit den Ernteteiler/-innen um.

So funktioniert die Erntegemeinschaft: 
Kern der Idee ist ein partnerschaftliches Miteinander und eine enge Bindung zwischen Erzeugern und Konsumenten. Ein landwirtschaftlicher Betrieb erhält durch einen im Vorfeld berechneten Festpreis für die Ernteanteile Planungssicherheit und ein garantiertes Einkommen – unabhängig ob der Erdfloh, der Kartoffelkäfer oder Wildschweine die Ernte beschädigen. Im Gegenzug dafür können die Ernteteiler/-innen jede Woche biologisch angebautes regionales Gemüse in einem Depot abholen. Für sie ist höchstmögliche Transparenz gegeben. Wenn sie Zeit und Interesse haben, dann können sie auch bei der Arbeit am Feld mithelfen.

vorderhaslach2Ernteteiler Alexander wünschte z.B. sich noch mehr Engagement für Gemeinschaftsaktionen. Für Uwe Neukamm ist die Solawi „ein sozialer Versuch, gemeinschaftlich zu wirtschaften. Die Ernteteiler fühlen sich für ihren Betrieb verantwortlich“. Für ihn als Landwirt ist dies zudem eine Möglichkeit, resilient zu sein: die Solawi gibt ihm Krisensicherheit. Heute ist es kaum mehr einem Betrieb möglich, ohne Subventionen zu wirtschaften. Aber was passiert, sollten die Subventionen zurückgehen? Dieses Risiko hat Neukamm und sein Team mit der Solawi minimiert.

Dass die Solawi sich als Gemeinschaft versteht, dafür spricht neben den vielen Festen und Events auch die Tatsache, dass benötige Investitionen per Crowdfunding der Ernteteiler/-innen finanziert werden können. Auch ein Defizit, das im ersten Jahr durch eine Fehlkalkulation entstanden ist, wurde von den Ernteteiler/-innen mit einer Selbstverständlichkeit getragen, die die Landwirte so nicht erwartet hatten. Auch die Ernteteiler/-innen sind untereinander solidarisch. In einer Bieterrunde legt jeder nach der Vorgabe eines Richtwerts fest, was er für seinen Ernteanteil bezahlen will oder kann. Besserverdienende können so Menschen mit nicht so hohem Einkommen unterstützen, Geringverdiener müssen im Umkehrschluss nicht auf eine hohe Lebensmittelqualität in ihrer Ernährung verzichten.

Das Depot, das die Solawi in Happurg betreibt und in dem jeden Samstag das Gemüse zur Abholung wartet, ist zwischenzeitlich auch Verteilstation von anderen Landwirten: hier können Eier, Honig, Getreide, Säfte und Obst von Streuobstwiesen bezogen werden. Damit ist ein weiterer Knotenpunkt in einer regionalen Landwirtschaft entstanden.

Wer die Hofgemeinschaft Vorderhaslach kennenlernen will, sollte am 09.09.2018 zu deren Hoffest kommen.

Die Veranstaltung wurde in Kooperation mit der Ökomodellregion Amberg-Sulzbach / Amberg, Frau Barbara Ströll, durchgeführt und über die Schule für Dorf- und Landentwicklung, Plankstetten, gefördert.